Appell an die Öffentlichkeit

Der Umgang mit dem Terroranschlag in Berlin vom 19.12.2016 und die Würdigung der Terroropfer. Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer, der Toten und Verletzten.

Sehr geehrte Mitglieder und Interessenten der AfD im Landkreis Kassel,

wie von Seiten der Bundesregierung und den sogenannten Eliten mit den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer umgegangen wird ist ein Skandal. „Ich finde die mangelnde Beachtung von Seiten des Staates traurig und unwürdig“, sagte eine Frau, deren Lebenspartner seit dem Anschlag vom 19. Dezember um sein Leben kämpft, dem Berliner Tagesspiegel.

Warum verweigert der Bundestag den Berliner Anschlagsopfern das Gedenken?

Am 19. Dezember 2016 – man muss daran erinnern – wurden dort zwölf Menschen von einem vorbestraften tunesischen Islamisten, der sich illegal in Deutschland aufhielt, ermordet. Auch 56 Verletzte, darunter zwölf Schwer- und Schwerstverletzte, zählen zu den Opfern. Ihr Leben wird nie wieder sein, wie es war. Sie tragen schlimme Schäden an Leib und Seele davon. Selbst die äußerlich unverletzten Zeugen der Bluttat erhöhen die Opferbilanz. Wer sah und hörte und roch, wie neben ihm Knochen zerbersten, Haut platzt, Blut spritzt, der bleibt gezeichnet fürs Leben.
Ihnen allen sagen Staat und Staatsregierung: Persönlich bedauerlich, tragisch, schlimm, aber damit müsst ihr alleine fertig werden.

Der Bundestag will keine Gedenkzeremonie für die Opfer des Berliner LKW-Anschlags abhalten. Der Bundestag war nicht mal zur Unterbrechung der Weihnachtspause für eine Schweigeminute bereit. Und Politiker erklären ständig, dass man jetzt schnell zur Normalität übergehen sollte. Wie anders ist zu erklären, dass die Bundesregierung nach dem Attentat in der Bundeshauptstadt zu keinem öffentlichen Gedenken bereit war? Dass die Staatsspitze es bei der stummen Teilnahme am Gedenkgottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 20. Dezember bewenden lässt? Zu diesem Zeitpunkt waren weder alle Opfer identifiziert, noch stand fest, ob nicht weitere Menschen an ihren Verletzungen sterben würden.

Eine Gesellschaft aber, die ihre Toten nicht betrauert, verliert ihre Menschlichkeit!

Offizielles Gedenken nach einem Terroranschlag: In westlich-demokratischen ändern eine Selbstverständlichkeit. Nicht aber in Deutschland.

Am 30.12.2016 wurde der beim Terroranschlag von Berlin ermordete LKW-Fahrer Lukasz Urban (+ 37) in seiner polnischen Heimat beerdigt. Sein ganzes Heimatland nahm Anteil. Staatspräsident Andrzej Duda kniete vor dem Sarg. In ganz Polen betätigten Berufskollegen des Getöteten um 12 Uhr die Hupen ihrer Lastwagen.

Als der Sarg der getöteten Italienerin Fabrizia di Lorenzo (+ 31) mit einem Militärflugzeug auf dem Flughafen Ciampino bei Rom eintraf, waren der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Verteidigungsministerin Roberta Pinotti zugegen. Ministerpräsident Paolo Gentiloni veröffentlichte eine persönliche Beileidserklärung an die Familie. In Israel wurde das Leben der 60 Jahre alt gewordenen Daliya Eliakim öffentlich gewürdigt, während ihr Mann Rami in einem Berliner Krankenhaus ums Überleben kämpfte. Staatspräsident Reuven Rivlin hatte die traurige Nachricht ihres Todes öffentlich verkündet, verbunden mit mitfühlenden Worten für die anderen Opfer und das vom Terror getroffene Deutschland.

Unsere Partnerländer Polen, Italien und Israel suggerieren mit ihrer Haltung zu den Terroropfern: Jeder einzelne Mensch zählt! Bei unserem Nachbarn Frankreich zeigten Staat und Bevölkerung nach den Terrorschlägen in Paris 2015 und Nizza 2016 Flagge. Millionen Menschen demonstrierten auf den Straßen für westlich-freiheitliche Werte und zeigten: Wir lassen uns durch Terror nicht beugen!

Und wie verhält sich Deutschland?

Es befremdet uns zutiefst, dass wir einerseits ständig Bilder mit der Visage des Terroristen A. in Fernsehen, Zeitungen und Online-Medien vorgesetzt bekommen, aber andererseits das Volk nichts über die deutschen Opfer der Terrorkatastrophe von Berlin erfahren soll. Von den Berliner Toten weiß man gar nichts. Man weiß nicht, ob sie vielleicht in Mitte, Spandau oder Marzahn zu Hause waren. Nicht einmal die genaue Zahl der Berliner nennt der Senat. Und beruft sich auf den Datenschutz, der für die Toten und ihre Angehörigen gelte. So bleiben sie namenlose, gesichtslose
Opfer. Wir sollten wissen, wer da aus der Mitte des Lebens gerissen wurde, dass wir uns mit ihren Familien verbunden fühlen können, dass wir die Opfer des Terrors kennenlernen und nicht den Täter. Natürlich möchte niemand diese einer sensationsheischenden Meute preisgeben. Aber die komplette Anonymität macht es der Öffentlichkeit schwer, um die Opfer zu trauern. Dabei will sie Anteil nehmen, wie auch die privaten Spenden für die Hinterbliebenen zeigen.

Verdienen nicht gerade jetzt die Familien der aus unserer Mitte Gerissenen die besondere Solidarität von Gesellschaft UND Staatsorganen? Sehr traurig, ja: empört macht es uns zu lesen, dass der Bundestag auch nach Ablauf der Winterpause KEINE Gedenkzeremonie für die Ermordeten, Hinterbliebenen und schwer Verletzten abzuhalten beabsichtigt. Das ist, angesichts der Bedeutung des gegen unser Land und unserer Werte gerichteten Terrorverbrechens, kalt und unwürdig! Wir hören und lesen dazu in unserer Umgebung kritische, empörte, sogar zynische Fragen:

Sind es uns die Opfer nicht wert, dass wir ihrer gedenken? Waren es nicht genug Tote auf einmal?
Möchte die Regierung einer unbequemen, politisch ungewollten Debatte ausweichen, über mutmaßliches Sicherheitsversagen im Zusammenhang mit der generösen Willkommenspolitik gegenüber Schutz Suchenden, die man den Opfern schuldig wäre?
Wird ohnehin mit mehr und regelmäßigen Opfern bei künftigen Terroranschlägen in Deutschland gerechnet?

Wir dürfen uns vor einer Menschen und Demokratie verachtenden Ideologie von radikalislamistischen Terroristen nicht klein machen! Wir müssen potenzielle Terroristen stoppen! Die Kraft des Mitgefühls für Terroropfer und Angehörige: Sie ist es, was einer aufgeklärten Gesellschaft die Kraft und den Mut gibt, der Drohung von Terror und Gewalt zu trotzen sowie für unsere erwachsenen, freiheitlichen Werte einzustehen. Verdrängung und etwaige politische Ablenkungsmanöver aber bewirken das Gegenteil.

Wir fordern.

Eine würdevolle Berichterstattung.
Einen Gedenkort in Berlin sowie eine offizielle Gedenkzeremonie für die Opfer des Breitscheidplatz-Terrorverbrechens in einem würdevollen Rahmen.

Bitte unterstützen Sie uns, teilen Sie den Beitrag in ihrem Bekanntenkreis sowie den sozialen Medien. Schreiben Sie ihrem Bundestagsabgeordneten und nach Möglichkeit auch Leserbriefe zum o.g. Thema. Sprechen Sie auch Gewerkschaftsfunktionäre an, warum bleiben die gewerkschaftlich organisierten Solidaritätskundgebungen Lichterketten etc. aus? Auch mit Würdenträger der Kirchen muss kritisch deren Verhalten hinterfragt werden.

Dies sind wir den Opfern schuldig.

Herzlichen Dank

Alternative für Deutschland
Landkreis Kassel
Für den Vorstand
Hermann Schaab
Beisitzer und Programmbeauftragter