Mehr Integration

Mehr wirtschaftliche Integration von „Flüchtlingen“, dadurch weniger Enttäuschungen, dadurch weniger Gewalttaten (und andere Straftaten)? Einige Bemerkungen zu den Erfolgsaussichten dieser Strategie.

Günter Hesse

Der muslimische Attentäter von Würzburg war integriert. Er lebte in einer Familie und hatte eine Bäckerlehre in Aussicht, so steht es in den Medien. Herr Gauck und sein politisches und mediales Gefolge fordern nun von der Bevölkerung, dass diese noch mehr Integrationsanstrengungen unternimmt, um solche Vorkommnisse künftig zu vermeiden.

Als wichtigster Baustein der Integration von „Flüchtlingen“ gilt neben der Sprachkenntnis deren erfolgreiche Teilnahme am Arbeitsmarkt. Eine amerikanische Psychologin, die sich mit dem muslimischen Terror in Frankreich beschäftigt hat (leider finde ich im Moment die Quelle nicht), empfiehlt darüber hinaus zur Vermeidung von Enttäuschungen bei den „Flüchtlingen“ deren schnellstmöglichen Aufstieg in die Mittelschicht. Das klingt plausibel. Ein Blick auf die relevanten Zahlen in offiziellen Publikationen zeigt allerdings, dass dieser Ausweg faktisch nicht zur Verfügung steht.

In seinem jüngsten „Zuwanderungsmonitor“ (Juni 2016) hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 1.222.000 Personen aus Kriegs- und Krisenländern („Flüchtlinge“) erfasst. Von diesen waren im April 2016  14,7 % , also ca. 180.000,  erwerbstätig. Deutlich über eine Million „Flüchtlinge“ waren nicht erwerbstätig. Das liegt auch zum Teil daran, dass ihre Verfahren noch nicht abgeschlossen waren und sie dem Arbeitsmarkt noch nicht als erwerbsfähige Personen zur Verfügung standen.

Von den Personen aus Kriegs- und Krisenländern, die dem Arbeitsmarkt als Erwerbsfähige zur Verfügung standen, waren  51,4 % arbeitslos (Juni 2016). Aus einem IAB Kurzbericht 14/2015 kann man entnehmen (Tabelle 2), dass von den arbeitslosen „Flüchtlingen“ 87 % keine abgeschlossene Berufsausbildung hatten.

Erfahrungen zeigen, dass selbst vollerwerbstätige „Flüchtlinge“ nach 10 Jahren Aufenthalt in Deutschland im Durchschnitt nur ein monatliches Gehalt von 1.500,- Euro hatten (IAB Aktuelle Berichte 14/2015, S. 10). Ein schneller Aufstieg in die Mittelschicht sieht anders aus.

Für den ganz überwiegenden Teil der Personen aus Kriegs- und Krisenländern werden sich wirtschaftliche Enttäuschungen -gemessen an den oft hohen Erwartungen- nicht vermeiden lassen. Wer Gewalttaten und andere Straftaten von „Flüchtlingen“ schlicht durch mehr wirtschaftliche Integration und daraus erhoffte Enttäuschungsvermeidung bekämpfen will, verhält sich wie Pippi Langstrumpf, die sich bekanntlich die Welt nach dem „Pippi-Lotta-Prinzip“ zurecht legt: „Ich mach mir die Welt, widdewitt, wie sie mir gefällt“. Bei Kindern ist das amüsant, bei unserer politischen und medialen „Elite“ wirkt so etwas nur noch peinlich. (23.7.2016)