Lärmschutz Bergshausen

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Einleitung
Beschlussvorschlag
Bericht der HNA über den Antrag
Bericht der HNA über die Aussprache im Gemeindeparlament
Antwort an die HNA
Pressemitteilung
Monument der Fehler
Pressemitteilung: Antrag angenommen
Beschlussvorschlag: Nächtliche Sperrung für Fernverkehr

 

Wirksamer Lärmschutz in Bergshausen

Dr. Günter Hesse

Die hauptsächlich vom Verkehr auf der A 44 verursachte Lärmbelastung ist für eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern in Bergshausen gesundheitsgefährdend. Das ergibt sich aus der Berechnung von Lärmpegeln auf der Basis von Verkehrszählungen aus dem Jahr 2010 durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Lärmaktionsplan Hessen, Teilplan Straßenverkehr 2. Stufe, Regierungsbezirk Kassel, 2016, z.B. S. 20, S.186). Von allen Gemeinden des Landkreises Kassel hat nur Lohfelden eine höhere Lärmbelastung als Bergshausen (Lärmaktionsplan… S. 169)

Bürgerinnen und Bürger von Bergshausen fordern seit vielen Jahren die Verminderung der Belastung durch Lärm und andere negative Begleiterscheinungen des Verkehrs auf der A 44.  Es wurde z.B. immer wieder angemahnt, auch vom für Bergshausen zuständigen Bürgermeister von Fuldabrück, Maßnahmen zur Kontrolle der auf diesem Teil der A 44 bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkung zu verschärfen, da man von der tatsächlichen Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung eine deutliche Lärmminderung erwartete. Den Betroffenen wurde allerdings nicht mitgeteilt, dass auch die durchgehende Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung praktisch nichts an der gesundheitsgefährdenden Höhe der berechneten Lärmpegel ändert. Die Höhe der Lärmpegel wurde berechnet unter Annahme, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung (besonders die hier relevante Begrenzung auf 80 km/h für LKW) eingehalten wird (Lärmaktionsplan…S. 187). Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde auch nicht zu Lärmschutzzwecken eingeführt.

Seit vielen Jahren wird eine Verlegung oder ein Neubau des relevanten Teils der A 44 in Aussicht gestellt. Erst im Zuge dieser Baumaßnahme könne dann auch eine wirksame Lärmvorsorge realisiert werden. Nun ist aber das Ausmaß der berechneten Lärmbelastung für viele Bürgerinnen und Bürger in Bergshausen so groß, dass nicht nur die sogenannten „Auslösewerte“ für Lärmschutz-maßnahmen bei Neu -oder Umbauten der Straßen beachtet werden müssen, sondern sogar die höher liegenden „Auslösewerte“ für Lärmsanierungen an bestehenden Straßen (Lärmaktionsplan…S.56 ff). Schon die auf der Basis von Verkehrszählungen aus dem Jahr 2010 berechneten Lärmpegel -der Verkehr hat seitdem kräftig zugenommen- sind so hoch, dass spätestens jetzt wirksame Lärmschutzmaßnahmen an der bestehenden A 44 ergriffen werden müssen.

Die A 44 ist eine Bundesautobahn. Man könnte vermuten, dass das Bundesverkehrsministerium für die Installation wirksamer Lärmschutzanlagen zuständig sei. Das ist nur teilweise richtig. Unter bestimmten Umständen sind zunächst die Bauherren der betroffenen Immobilien und dann und vor allem die jeweiligen Gemeinden in der Pflicht (Lärmaktionsplan… S.44). Diese Umstände sind in Bergshausen gegeben. Für die Immobilienbesitzer kommt der sogenannte passive Lärmschutz, z.B. mit Schallschutzfenstern, in Frage. Der grundsätzlich vorzuziehende aktive Lärmschutz für Bergshausen liegt in der Verantwortung von Fuldabrück. Die Kommunen können Zuschüsse beantragen, Fuldabrück hat da gute Argumente.

Als wirksamer aktiver Lärmschutz, der die hohen Lärmpegel für die Betroffenen so weit vermindert, dass diese nicht mehr gesundheitsgefährdend sind, kommt unter den gegebenen Umständen nur eine Lärmschutz/Lärmschluckwand im relevanten Bereich der A 44 in Frage. Bisher war gelegentlich von einer hierzu erforderlichen 4 bis 5 Meter hohen Lärmschutzwand die Rede. Berechnungen mit Hilfe eines öffentlich zugänglichen Rechenmodells zeigen aber, dass schon eine nur 2 Meter hohe Lärmschutz/Lärmschluckwand die wahrgenommene Lärmbelastung auf die Hälfte reduzieren kann. Damit könnten für nahezu alle Betroffenen gesundheitsgefährdende Lärmpegel vermieden werden.

In der jüngsten Kommunalwahl wurde ich in die Gemeindevertretung von Fuldabrück gewählt. Als Gemeindevertreter habe ich das Recht, Anträge zu stellen. Am 9.9.2016 habe ich im Rathaus von Fuldabrück den an den Vorsitzenden der Gemeindevertretung gerichteten unten angefügten Antrag abgegeben. Der Antrag besteht aus 6 Seiten Text und den Abbildungen Nr. 69 und Nr. 70 (S. 185 und 186) aus dem eingangs erwähnten Lärmaktionsplan. In dem Antrag wird die Gemeindevertretung gebeten, zu beschließen, den Gemeindevorstand eine Reihe von Fragen prüfenzu lassen, die vor einem eventuellen Beschluss über die Installation einer Lärmschutzwand geklärt werden müssen. Der Antrag soll auf der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am 13.10.2016 behandelt werden.

Fuldabrück/Bergshausen, 30.9.2016

Beschlussvorschlag für die Sitzung der Gemeindevertreter am 13.10.2016:

Die Gemeindevertretung beauftragt den Gemeindevorstand -in Verbindung mit zuständigen Behörden (z.B. Hessen Mobil, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Regierungspräsidium), eventuell auch unabhängigen Gutachtern und Anbietern von Lärmschutz-/Lärmschluckwänden – folgende Punkte zu prüfen:

  1. Kann durch Lärmschutz-/Lärmschluckwände die gesundheitsgefährdende Lärmbelastung der Bürgerinnen und Bürger durch den Verkehr auf der BAB A 44 im „Lärmkonfliktpunkt“ Bergshausen auf ein Niveau reduziert werden, das für die ganz überwiegende Zahl der Betroffenen nicht mehr gesundheitsgefährdend ist? (Was ein Lärmkonfliktpunkt ist und wo dieser in Bergshausen liegt, wird in der Begründung erläutert.)
  1. Sind dafür geeignete Lärmschutz-/Lärmschluckwände im Bereich des „Lärmkonfliktpunkts“ Bergshausen technisch und verkehrsrechtlich realisierbar?
  1. Was würde die Anschaffung wiederverwendbarer technisch geeigneter Lärmschutz-/Lärmschluckwände kosten? Was würde ihre Installation kosten? Was würde ein späterer Abbau kosten?
  1. Welche Zuschüsse kann die Gemeinde beantragen?

 

Begründung:

Im Lärmaktionsplan Hessen, Teilplan Straßenverkehr 2. Stufe, Regierungspräsidium Kassel 2016, werden als Auslösewerte für den „Einstieg in die Lärmaktionsplanung“ (S. 57) sogenannte „Lärmkonfliktpunkte“ ausgewiesen, die nach bestimmten Kriterien ermittelt werden. Überschreitet die Lärmbelastung, die in Dezibel (dB) angegeben wird, bestimmte Schwellenwerte und sind davon in einem Ortsteil mehr als 10 Personen betroffen, so liegt an dieser Stelle ein Lärmkonfliktpunkt vor (S. 57). Diese Schwellenwerte für die Lärmbelastung liegen bei 65 dB Lärmpegel während des Tages und bei 55 dB während der Nacht. Überschreitet die Lärmbelastung längerfristig diese Schwellenwerte, so sind gesundheitliche Gefahren für die betroffenen Menschen wissenschaftlich nachgewiesen. Es steigt das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz , Schlaganfall und Depression (S. 20, S.21). Aus diesem Grund gibt das Umweltbundesamt diese Schwellenwerte vor, und der Lärmaktionsplan Hessen folgt dieser Vorgabe.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Fuldabrück gibt es zwei Lärmkonfliktpunkte, einen in Bergshausen und einen in Dörnhagen (Kopien der Seiten 185 und 186 sind angefügt). Die Zahl der Betroffenen ist allerdings sehr unterschiedlich. Die sogenannte Lärmkennziffer, mit der die über den Tag und über die Nacht betroffenen Personen zusammengefasst werden, liegt in Dörnhagen bei 84 und in Bergshausen bei 469 (S.186). Auch aus diesem Grund konzentriere ich mich zunächst auf Bergshausen und die A 44. Allerdings werde ich die Installation von Lärmschutz-/Lärmschluckwänden in Bergshausen vorschlagen, die bei Wegfall ihrer Existenzberechtigung abgebaut und dann z.B. in Dörnhagen zum Lärmschutz gegen den Verkehr auf der L 3460 (B 83) wieder eingesetzt werden können. Der Lärmkonfliktpunkt in Bergshausen liegt nördlich (z.B. Friedhof,  Kurze Hecke) und südlich (z.B. Erlenweg, Sonnenhang, Eichenhang) der A 44.

Da auf großen Teilen des Lärmkonfliktbereichs in Bergshausen nach 1974 Wohngebäude errichtet wurden, liegt die Einleitung von Maßnahmen zum aktiven Lärmschutz im Verantwortungsbereich der Kommunen (S. 44), hier Fuldabrück.  Die jeweiligen Bauherren sind ebenfalls verantwortlich, können aber i.d.R. nur passive Lärmschutzmaßnahmen, wie z.B. Schallschutzfenster, realisieren. Vor allem südlich der A44 liegen im Lärmkonfliktbereich auch Gebäude, die vor 1974 errichtet wurden. Für deren Lärmschutz ist das Bundesverkehrsministerium zuständig. Ohne eine Initiative der Gemeinde wird der Bund allerdings wohl nicht tätig werden. Die Gemeinde Fuldabrück könnte mit dem Hinweis auf diese Verpflichtung allerdings mit Nachdruck Zuschüsse zu dem zu prüfenden Vorhaben verlangen.

Eine weitere wichtige Begründung für die Anforderung von Zuschüssen liegt in dem sprunghaft gestiegenen Verkehr auf der A44 nach der Wiedervereinigung und der Osterweiterung der EU (Im Bereich der A4 östlich des Kirchheimer Dreiecks soll sich z.B. das Verkehrsaufkommen vervierfacht haben, S. 66). Ich gehe davon aus, dass erst nach diesen Ereignissen die Lärmpegel um die       A 44 so stark gestiegen sind, dass dieser gesundheitsgefährdende Lärmkonfliktpunkt in Bergshausen entstanden ist. Über die „Bergshäuser Brücke“ der A44 fahren heute ca. 45.000 Fahrzeuge pro Tag, darunter ca. 25% Schwerverkehr. Ein LKW allein verursacht eine Geräuschbelastung wie 23 PKW (S.19).

Dass in Bergshausen durch die A44 eine gesundheitsschädigende Lärmbelästigung vorliegt, konnte die Gemeinde Fuldabrück bereits aus der Lärmkartierung des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie vom Jahr 2007 entnehmen. Bis heute ist allerdings keine wirksame Abhilfe geschaffen worden. Vorschläge zur Lärmminderung, die im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit am vorliegenden Lärmaktionsplan aus Fuldabrück gemacht wurden, sind alle abgelehnt worden (S. 188, S. 189).

Vertröstungen auf zukünftige Lärmvorsorgemaßnahmen im Rahmen eines Neubaus der A44-Brücke und einer Verbreiterung der A44 auf 6 Fahrspuren sind nicht länger hinnehmbar. Finanzierung, Lage und Fertigstellung eines Neubaus der A44-Brücke über die Fulda sind unverändert ungeklärt. Zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger muss aber jetzt endlich gehandelt werden.

Da mit den Lärmschutz-/Lärmschluckwänden die Lärmbelästigung an einer bestehenden Straße vermindert werden soll, handelt es sich um eine sogenannte Lärmsanierung (S.44), im Gegensatz zur Lärmvorsorge bei Neubauten oder wesentlichen Änderungen der Straßen. Bei einer Lärmsanierung sind die Auslösewerte für die Einleitung von Maßnahmen höher als bei einer Lärmvorsorge (S.50). Man darf den Bürgerinnen und Bürgern eine höhere Lärmbelastung als bei einem Neubau zumuten. „Das Schutzniveau ist gegenüber den Grenzwerten der Lärmvorsorge geringer“ (S. 44). Aber auch diese höheren Auslösewerte sind im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen für eine erhebliche Zahl von Personen realisiert.  Nach den Richtlinien für den Verkehrslärmschutz an Bundesfernstraßen in der Baulast des Bundes (VLärmSchR97) liegen die Auslösewerte bei 67 dB am Tag und bei 57 dB in der Nacht. Nach den Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung vor Lärm (Lärmschutz-RL-StV) liegen die Auslösewerte bei 70 dB am Tag und bei 60 dB in der Nacht (S. 50). Beide Auslösewerte werden im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen am Tag für 24 Personen (Belastung größer als 70dB) und in der Nacht für 121 Personen (Belastung größer als 60 dB) übertroffen (S. 186). Im Lärmkonfliktpunkt Dörnhagen muss lediglich eine Person in der Nacht eine Belastung von mehr als 60 dB ertragen.

Zur Erinnerung: Das Umweltbundesamt empfiehlt, Lärmschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsgefährdungen schon ab 65 dB am Tag und ab 55 dB in der Nacht kurzfristig zu realisieren (S. 56). Das Verwaltungsgericht Oldenburg hat in seinem Urteil vom 13. Juni 2014 entschieden, dass bei einem Überschreiten der Auslösewerte für die Lärmschutz-RL-StV – was in Bergshausen gegeben ist- sogar ein Anspruch der Betroffenen auf „Einschreiten der Straßenverkehrsbehörde“ besteht (S. 46).

Fazit: Es gibt im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen einen unabweisbaren Handlungsbedarf. Dabei ist laut VLärmSchR97 dem aktiven Lärmschutz Vorrang vor dem passiven Lärmschutz einzuräumen (S.44). Aktiver Lärmschutz wird z.B. durch eine Lärmschutz-/ Lärmschluckwand realisiert.

Welche Minderung des Lärmpegels lässt sich durch den Bau einer Lärmschutz-/Lärmschluckwand im Bereich des Lärmkonfliktpunkts Bergshausen erreichen?

Es gibt Berechnungsmodelle zur Ermittlung der lärmreduzierenden Wirkung von Lärmschutzwänden (www.laermspur.ch/laermorama/berechnungsmodelle…) .

Nimmt man z.B. an, die Höhe (w) der Lärmschutz-/ Lärmschluckwand betrage 2 Meter, der Abstand (a) von der Straßenmitte (hier Mittelstreifen zwischen den 4 Fahrstreifen der A44) bis zur Lärmschutzwand betrage 12 Meter, der Abstand zwischen Lärmschutzwand und Wohnhaus (b) betrage 100 Meter und die Höhe des relevanten Fensters im Wohnhaus über dem Niveau der Fahrbahn (h) 1 Meter, so beträgt die lärmreduzierende Wirkung der Wand 10,1 dB. Das ist eine ganz erhebliche Verminderung des Lärmpegels, denn es bedeutet, dass sich der subjektiv wahrgenommene Lärm halbiert (S.19). Ein Grund für diese erstaunliche Wirkung schon einer nur 2 Meter hohen Lärmschutzwand im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen ist, dass die betroffenen Wohnhäuser in aller Regel unterhalb des Fahrbahnniveaus liegen, so dass (h) sehr klein, oder sogar negativ ist. Selbst ein relativ hoch gelegenes (Nähe Friedhof) und stark vom Lärm betroffenes Wohnhaus in der „Kurzen Hecke“ dürfte nach meiner Schätzung nicht mehr als 1 Meter über dem Fahrbahnniveau liegen, so dass sich auch für die Bewohner dieses Hauses eine Halbierung der Lärmbelastung ergeben würde.

Eine Reduzierung des Lärmpegels um 10 dB beseitigt für nahezu alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen zumindest gesundheitsgefährdende Lärmpegel, es bleibt aber bei Immissionswerten, die vom Umweltbundesamt als erhebliche Belästigungen eingestuft werden (Siehe Tabelle 3 auf S. 56).

Mit der Verminderung der Länge von a, b und h steigt die lärmreduzierende Wirkung der 2 Meter hohen Lärmschutz-/Lärmschluckwand. So steigt z.B. die lärmreduzierende Wirkung der Lärmschutzwand für Wohnhäuser, die nicht   -wie eben angenommen – 100 Meter, sondern nur 20 Meter von der Lärmschutzwand entfernt liegen (b= 20), auf 10,7 dB.  Die Halbierung des wahrgenommenen Lärms der A 44 im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen durch eine nur 2 Meter hohe Lärmschutzwand ist demnach eine Mindestwirkung. Diese Wand könnte auf der Nordseite der A 44 vom Widerlager bis zum Friedhof gehen und auf der Südseite vom Widerlager bis hinter die Tennishalle.

Diese Berechnung der Schutzwirkung einer 2 Meter hohen Lärmschutz-/Lärmschluckwand anhand eines Berechnungsmodells von Lärmorama kann nicht die genaue Berechnung durch Fachleute ersetzen, aber sie soll zeigen, dass es sich lohnen kann, eine solche Berechnung durchführen zu lassen. Die gelegentlich erwähnte 4-5 Meter hohe Lärmschutzwand (S.188), die gegenwärtig nicht realisierbar wäre, ist sehr wahrscheinlich unter den gegenwärtigen Bedingungen auch gar nicht nötig. Bereits bei einer kurzen Recherche im Internet habe ich zwei Firmen gefunden, die modulare Lärmschutz-/Lärmschluckwände anbieten: Kohlhauer und Calma-Tec. Calma-Tec wirbt auch mit dem Hinweis, dass die Oberkante seiner Wände mit einer Art Aufsatz versehen werden kann, der den Schallschutz einer nur 2 Meter hohen Wand deutlich verbessern würde. Es gibt sicher weitere Anbieter für Schallschutzwände, die man nach eventuellem Wegfall ihrer Existenzberechtigung abbauen und an anderer Stelle (z.B. in Dörnhagen) wieder aufbauen kann.

Mit einer nur 2 Meter hohen Lärmschutz-/Lärmschluckwand beidseits der A 44 im Bereich des Lärmkonfliktpunkts Bergshausen können nach den bisherigen Berechnungen für nahezu alle Betroffenen gesundheitsgefährdende Lärmpegel beseitigt werden. Die Betroffenen haben einen Anspruch auf Abhilfe, verantwortlich für die Einleitung entsprechender Maßnahmen ist die Gemeinde Fuldabrück. Es muss jetzt gehandelt werden.

Antragsteller:

Prof. Dr. Dr. habil. Günter Hesse

Mitglied der Gemeindevertretung in Fuldabrück

Sprecher des Ortsverbands Fuldabrück der AfD

Fuldabrück, 08. 09. 2016

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Bericht der HNA vom 12.10.2016:

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Bericht der HNA vom 15.10.2016 über die Aussprache im Gemeindeparlament

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16.10.2016: Antwort von Prof. Dr. Hesse an die HNA

Sehr geehrte Frau Lischper, (Autorin des voranstehenden Artikels)

vielen Dank für Ihren Artikel „Schlagabtausch“ in der HNA vom 15.10.2016. Erfreulich fand ich, dass Sie das Hauptargument von Herrn Lengemann nicht verschwiegen haben. Er wehrt meinen „Vorstoß“ ja mit dem Hinweis ab, dass ich ein persönliches Interesse am Lärmschutz hätte. Damit wird seine argumentative Hilflosigkeit sofort offenbar. Es ist Herrn Lengemann anscheinend gar nicht klar, dass er auch Bürgermeister eines Ortsteils von Fuldabrück ist, in dem die zweithöchste Zahl von Personen aus dem ganzen Landkreis seit Jahren unter gesundheitsgefährdenden Lärmpegeln leidet (Lärmkennziffer : 469 !!!).

Sie haben in der Spalte Hintergrund „Wind verhindert mobilen Schutz“ aus dem von Herrn Lengemann erbetenen Schreiben von Hessen Mobil vom 13.10.2016 zitiert, das ich erst unmittelbar vor der Sitzung der Gemeindevertretung erhalten habe. Leider konnte ich es nicht in Ruhe lesen, sonst hätte ich Sie noch nach der Sitzung auf einen gravierenden Fehler aufmerksam machen können, der das Schreiben für die Ablehnung der von mir zur Prüfung vorgeschlagenen Lärmschutzmaßnahmen irrelevant macht.

In dem Schreiben von Hessen Mobil wird darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, auf der A 44-Brücke, also am Brückenbauwerk, Lärmschutzwände anzubringen. Nun wissen wir Bergshäuser das seit Jahrzehnten. In der Begründung zu meinem Antrag steht deshalb auch kein einziges Wort über eine Lärmschutzwand auf der A 44-Brücke. Ich rede ausschließlich über eine Lärmschutzwand, die vom östlichen Ende der Brücke ca. 200 bis 300 m (das müsste man mit Fachleuten noch näher festlegen) nach Osten über festen Boden führen soll. Ich zitiere aus meiner Begründung S. 5: „Diese Wand könnte auf der Nordseite der A 44 vom Widerlager bis zum Friedhof gehen und auf der Südseite vom Widerlager bis hinter die Tennishalle“. Die Brücke, das Brückenbauwerk, endet am Widerlager.

Ein Blick auf die Lärmkartierung zeigt Ihnen, dass dort auf beiden Seiten der A44 auch die hohen Lärmpegelwerte vorliegen, die eine Lärmsanierung auslösen müssen. Unter der Brücke sind die Lärmpegel sehr viel niedriger, dort dürfte es eher Probleme mit Feinstaub usw. geben, was aber hier nicht zur Debatte steht.

Sehr aufschlussreich sind die Ausführungen von Hessen Mobil zu den von mir vorgeschlagenen mobilen Lärmschutzwänden. Ich zitiere: „Der Vorschlag für eine geeignete, wiederverwendbare Lärmschutzeinrichtung (LSW) ist nachvollziehbar und sicher auch unter wirtschaftlichen Aspekten geboten ……. Für Lärmabschirmungen  ….. kommen diese Lärmschutzalternativen immer häufiger zum Einsatz“ (S. 2).

Es gibt im Schreiben von Hessen Mobil auch keinen Hinweis darauf, dass die von mir mit Hilfe eines frei zugänglichen Berechnungsmodells errechnete Lärmschutzwirkung einer nur zwei Meter hohen Schutzwand falsch sein könnte.

Aus dem Schreiben von Hessen Mobil entnehme ich, dass eine Lärmschutz/Lärmschluckwand in dem von mir vorgesehenen Bereich östlich vom Ende der Brücke, wo man auf festem Boden Fundamente errichten kann und keine Windkraft auf den Brückenkörper einwirkt, von Hessen Mobil empfohlen würde.

Ich bin ganz sicher, dass die HNA ebenfalls sehr daran interessiert ist, dass die seit Jahren vorliegende Verletzung des Grundrechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit der vielen im Lärmkonfliktpunkt Bergshausen lebenden Menschen endlich beendet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Univ-Prof. Dr. Dr. habil. Günter Hesse

Pressemitteilung der AfD Fuldabrück zum HNA-Bericht vom 09.12.2016 „Bergshäuser Brücke: Abriss in 15 Jahren“

Die Bürgerinitiative „Keine Autobahn über Bergshausen“ hat im Frühsommer 2012 knapp 1200 Unterschriften in Bergshausen gegen den Neubau der A 44 Brücke über die Fulda an der alten Stelle gesammelt und an die Entscheider übergeben.

Argumente gegen die „Bergshäuser Brücke“ wurden von Dr. Günter Hesse unter dem Titel „Monument der Fehler“ zusammengestellt und im Auftrag der Bürgerinitiative an Hessen Mobil und die zuständigen Ministerien in Wiesbaden und Berlin übermittelt. Der Text kann unter www.fulda-bruecke.de nachgelesen werden. Von der Bürgerinitiative wurde die Variante 5, die direkt von der A7 zum VW-Werk (dem bedeutendsten Verkehrsziel in Nordhessen) und über ein kurzes Stück A 49 zur A 44 führt, befürwortet.

Nach der in der HNA vom 9.12. 2016 veröffentlichten Lageskizze wurde nun ein Korridor für die Trassenführung ausgewählt, der damals als Variante 3 diskutiert wurde. Die Bürgerinitiative hatte sich gegen die damalige Variante 2 ausgesprochen, nach der die Autobahn nur über andere Köpfe von Bergshäuser Bürgerinnen und Bürgern verlegt werden sollte. Diese Variante 2 war aber von der Gemeindevertretung einstimmig befürwortet worden.

Die nun ausgewählte Variante liegt zwar näher am Ortsteil Dennhausen-Dittershausen als die gegenwärtige „Bergshäuser Brücke“, bleibt aber immer noch nur etwa in der Mitte zwischen den Ortsteilen. Wer nun in Dennhausen/Dittershausen eine höhere Lärmbelastung befürchtet, kann vielleicht durch einen Blick in den aktuellen Lärmaktionsplan des Kasseler Regierungspräsidiums (S. 185) gelassener werden. Auch gegenwärtig führt ein Teil der A 44 in ähnlicher Entfernung an diesem Ortsteil vorbei, aber die A 44 verläuft hoch oben auf der Höhe, und der Ort liegt unten im Tal der Fulda. Als Folge ergibt sich nur die niedrigste überhaupt erfasste Stufe der Beeinträchtigung durch A 44 Lärm für die Wohngebiete von Dennhausen/Dittershausen. Da die neue A 44 Brücke nicht nur höher liegen wird, sondern auch mit Lärmvorsorgemaßnahmen gebaut werden muss, dürfte die Lärmbelastung für diesen Ortsteil nicht zunehmen.

Das „Monument der Fehler“ soll erst in 15 Jahren abgerissen werden. Bis dahin müssen die Bürgerinnen und Bürger von Bergshausen vor den Gesundheitsgefährdungen durch den seit ihrer Erbauung dramatisch auf über 45000 Fahrzeuge täglich mit erheblichem LKW-Anteil gestiegenen Verkehr auf der A 44 Brücke bestmöglich geschützt werden. Zu diesen Gefahren gehören der Lärm und der Eisschlag.

Laut Lärmaktionplan des Regierungspräsidiums werden in einem Bereich, der an das östliche Ende der Brücke in Bergshausen angrenzt, 201 Personen am Tag und 439 Personen in der Nacht einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung ausgesetzt. Dabei dürfte es sich um Mindestwerte handeln, denn die Lärmbelastung wurde auf der Basis der Verkehrswerte und des LKW-Anteils von 2010 berechnet.

Schon eine nur 2 Meter hohe Lärmschutzwand in diesem Bereich könnte die Lärmbelastung um 10 dB senken und damit die Gesundheitsgefährdung beseitigen. Das hat Dr. Günter Hesse, mittlerweile ein Gemeindevertreter der AfD, in einem Antrag vom 8.9.2016 vorgerechnet. Dem wurde bisher nicht widersprochen. Es gibt Lärmschutzwände mit fertigem Betonsockel, die zerstörungsfrei aufgebaut und z.B.  nach 15 Jahren wieder abgebaut werden könnten.

LKW, die von den Parkplätzen östlich von Bergshausen losfahren und auf der A 44 Brücke erstmals nach Abfahrt eine erhöhte Geschwindigkeit erreichen, verlieren dann Eisplacken, die sich im Winter bei Temperaturschwankungen um den Gefrierpunkt auf deren Dächern gebildet haben. Diese können unter und neben der Brücke in Wohngebieten und auf öffentlichen Wegen einschlagen und Unfälle, auch tödliche, verursachen. Kürzlich wurde von einer Eisscholle ein Loch in das Dach eines Hauses neben der Brücke geschlagen. Auch auf der von Auswärtigen viel benutzten Uferstraße gibt es dokumentierten Eisschlag.

Die Zahl der unmittelbar östlich der A 44 Brücke parkenden LKW hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen und wird weiter steigen.  Dr. Günter Hesse, Gemeindevertreter von der AfD, hat in einem Antrag vom 27.11.2016 „wirksamen Schutz gegen Eisschlag“ gefordert und dazu Vorschläge unterbreitet.

gez.: Dr. Günter Hesse, Sprecher des Ortsverbands Fuldabrück der AfD

Monument der Fehler

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Der GRUNDFEHLER wurde bei der in den Jahren 1933 bis 1935 erfolgten Planung der Strecke Frankfurt a.M. – Kassel (BAB A5/A7) und der Anbindung der von Westen kommenden BAB A44 an die A7 am damaligen „Autobahnkreuz Kassel“ mittels einer gigantischen, 698 m langen und 55 m hohen Brücke über die Fulda und den Ort Bergshausen begangen, für die es keine topographische Notwendigkeit gab. Der Fehler bei dieser Streckenführung resultierte daraus, dass man damals bei der Trassenplanung nicht sachlich gebotenen, bewährten Grundsätzen der Verkehrsführung folgte, sondern sachfremde Zwecke verfolgte. „Landschaftsästhetik und Monumentalbauten“ waren nach Richard Vahrenkamp 1) die Kriterien, die dazu führten, dass die Strecke Frankfurt-Kassel „verkehrstechnisch unsinnig“, so Bundesverkehrsminister Seebohm im Jahre 1950 2), über die Berge geführt wurde.

Einer dieser unnötigerweise überquerten Berge ist der 300 m hohe Söhrberg südöstlich von Bergshausen. Man hat von diesem Autobahnstück zwar einen sehr schönen Blick auf das Kasseler Becken, aber dieser beeinträchtigt die Verkehrssicherheit, kostet Zeit und unnötigen Treibstoffverbrauch und erzeugt vermeidbare Schadstoffe und einen unerträglichen Lärmpegel. Diese sachfremden Zielen folgende Trassenführung machte es aber möglich, ein Autobahnkreuz (A7/A44; das „Autobahnkreuz Kassel“) hoch an den Berg zu legen und dieses über eine gigantische, höchst imposante Brücke über die Fulda und Bergshausen mit der A44 zu verbinden. Vahrenkamp nennt das einen „Triumpf des NS-Autobahnbaus der A7, der alle Vorstellungen der konventionellen Straßenplanung sprengte“. Hauptleidtragende dieser geplanten Demonstration des „überwältigenden Geltungsanspruchs des, Dritten Reiches ´“ 3) sind die Verkehrsteilnehmer und die Bevölkerung von Bergshausen.

Man versucht heute, diese „verkehrstechnisch unsinnige“ (Seebohm) Streckenführung zwischen Frankfurt und Kassel mit der A49 teilweise zu korrigieren. Interessanterweise greift man dabei anscheinend auch auf Planungen aus der Zeit vor 1933 zurück, die von einer in Frankfurt angesiedelten Straßenplanungsbehörde stammen. Diese wurde 1933 zwangsaufgelöst und in die „Gesellschaft zur Vorbereitung des Reichsautobahnbaus“ mit Sitz in Berlin überführt. Leiter wurde der „überzeugte Nationalsozialist“ 4) Fritz Todt. Die Arbeiten an diesem Demonstrationsmonument wurden zwar begonnen, aber es  wurde, im Gegensatz zu verkehrstechnisch wichtigen Brücken, nicht gebaut.

Der HAUPTFEHLER war, diese Brücke in den Jahren 1957 bis 1966 überhaupt zu bauen. Zum einen resultierte die Streckenführung aus sachfremden Zwecken und war topographisch unnötig. Zum anderen gab es keinen Verkehrsstrom mehr, der die Weiterführung der A 44 nach Eisenach (Osten) an einem „Autobahnkreuz Kassel“ erforderlich gemacht hätte. Aus dem „Kreuz“ war ein „Dreieck“ geworden, das an eine in vieler Hinsicht besser geeignete Stelle hätte gelegt werden können.

Es scheint aber so zu sein, dass man kurzfristig einen Autobahnanschluss für das Ende der 50er Jahre entstehende VW-Werk in Baunatal bauen wollte und dabei einfach auf die Planung aus der NS-Zeit zurückgriff. Die Begründung, die man nach Vahrenkamp (Regiowiki) damals für den Bau der mittlerweile sogar verkehrstechnisch überflüssig gewordenen Monumentalbrücke über Bergshausen gab, ist schlicht bizarr:  Man schaffe mit der 55 Meter hohen Brücke einen „hochwasserfreien Übergang“  über die Fulda.

Seit einem halben Jahrhundert leidet die Bevölkerung von Bergshausen im Wortsinne unter dem ständig zunehmenden Verkehr und der damit verbundenen Schädigung durch Lärm, Abgase, Dreck (Feinstaub, Reifenabrieb, Öl- und Salznebel) und Eisschlag.

Der ZUSATZFEHLER besteht darin, dass diese Brücke nicht – wie üblich – als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt wurde, sondern als Stahlkonstruktion. Der Grund für diese sachfremde Entscheidung: Man wollte, nach meiner Kenntnis, die damals unter Absatzproblemen leidende deutsche Stahlindustrie unterstützen. Das war nicht nur unwirtschaftlich, wie die ständigen hohen Wartungs- und Reparaturaufwendungen zeigen, sondern forderte auch von der Bevölkerung von Bergshausen durch die damit verbundene zusätzliche Belastung durch erhöhten Lärm und ständiges Dröhnen und Schlagen der Überbrückungsstücke zwischen der Stahlbrücke und dem Beton der Widerlager  völlig unnötige Opfer.

Der ERWEITERTE FEHLER. Bei der Planung der Monumentalbrücke in der NS-Zeit gab es kaum Verkehr auf den Autobahnen in Nordhessen. Auch aus diesem Grund hat man sich wohl wenig Gedanken über die verkehrsbedingten Beeinträchtigungen der Bevölkerung gemacht. Seit dem Bau der Brücke haben der Verkehr und die damit verbundenen Schäden für die Anwohner ohnehin ständig zugenommen. Einen drastischen Zuwachs gab es dann noch durch den Wegfall der innerdeutschen Grenze und die Osterweiterung der EU. Mittlerweile liegt die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke auf der „Bergshäuser Brücke“ bei ca. 45.000 Fahrzeugen täglich, darunter ein sehr hoher (25%) Anteil Schwerverkehr 5). Tendenz: weiter zunehmend! In den höher gelegenen Wohngebieten von Bergshausen liegt der Schalldruckpegel schon seit vielen Jahren über 60 dB 6).

Gleichzeitig wissen wir immer mehr darüber, in welch hohem Maße  Lärm, Abgase, Feinstaub und Dreck die Gesundheit der Menschen beinträchtigen. Dennoch wird ernsthaft erwogen, die historische Trasse über und durch den Ort weiterhin zu verwenden und nur die Zahl der Fahrstreifen als Reaktion auf den enorm gestiegenen Verkehr auf 6 zu erweitern. Die beabsichtigten Schallschutzmaßnahmen können möglicherweise den Lärm eindämmen, vermindern aber nicht die Schädigung der Gesundheit durch Abgase, Feinstaub, Reifenabrieb, Öl- und Salznebel.

Der aktuelle GIPFEL DER FEHLER ist die Idee, die „Bergshäuser Brücke“ im Bereich der Wohnbebauung von Bergshausen um 250 Meter 7) nach Süden zu verlegen, sie damit über den Ortsrand von Bergshausen zu führen und  die A44 dann bei einem neu zu bauenden  AB Dreieck Kassel-Süd auf die A7 stoßen zu lassen (Variante 2; siehe <fulda-bruecke.de>). Mit dieser Planungsvariante werden vorhandene Probleme nicht nur nicht gelöst, sondern es werden mit hohem finanziellen Aufwand zusätzliche Probleme geschaffen. 

Die neue „Bergshäuser Brücke“ soll in dieser Planungsvariante kurz vor dem westlichen Widerlager der heutigen Brücke von der A44 abbiegen und dann in nahezu gerader Linie über die Fulda und Bergshausen zum neuen AB Dreieck Kassel-Süd führen. Das neu zu bauende Dreieck liegt, wie das alte, auf der Nordseite des Söhrbergs, aber höher am Berg. Es liegt ca. 60 m höher als die Fahrbahn auf der heutigen Brücke.  Da nach „den derzeitigen Trassierungsvorschriften für Autobahnen“ 8) bei der Planung einer neuen Autobahntrasse die Steigung nicht höher als 4% sein darf, ergibt sich für die neu zu bauende „Bergshäuser Brücke“ eine Mindestlänge von 1,5 Kilometern. Bleibt man etwas unter der maximal zulässigen Steigung und wählt eine gerade Linie  von der A44 zum neuen Dreieck, so ergibt sich eine monumentale Brücke von ca. 2 Kilometern  Länge und einer Höhe von ca. 80 Metern über dem Bergshäuser Ufer der Fulda. Die neue Brücke wäre damit fast dreimal länger und mindestens 50 % höher als die heutige.

Diese wahrhaft monumentale Brücke ändert nichts an der „verkehrstechnisch unsinnigen“ (Seebohm) Verkehrsführung über Berge, hier den Söhrberg, und den damit verbundenen, schon im Abschnitt „Grundfehler“ erwähnten Nachteilen. Sie führt aber nun im Gegensatz zur heutigen Brücke als Steigungsstrecke über Bergshausen. Damit fallen im Ortsbereich Bergshausen, auch wegen des hohen Anteils des Schwerverkehrs, erhebliche zusätzliche Lärm- und Abgasbelastungen an. Mit den vorherrschenden Winden aus Südwest wird dann der ganze Dreck  (Abgase, Feinstaub, Reifenabrieb, Öl, vermehrter Salznebel) weit über Bergshausen getragen und abgeladen. Mit dieser Trassenführung würde auch die Nutzung einer ganzen Reihe von Sportanlagen nahezu unmöglich gemacht. In der Nähe des neu zu bauenden Dreiecks liegen darüber hinaus wichtige Anlagen zur Trinkwasserversorgung von Bergshausen, die ebenfalls beeinträchtigt würden.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass die neue Trasse eine neue Schneise durch ein FFH-Gebiet und weitere schützenswerte Waldbestände schlagen würde, was erhebliche gerichtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen wird und die Realisierbarkeit dieser Planungsvariante zusätzlich in Frage stellt.

Die  neue „Bergshäuser Brücke“, die nach der Planungsvariante 2 (bei der Planungsvariante 3 , siehe <fulda-bruecke.de>, ist es ähnlich) gebaut werden müsste, würde  weitere Fehler auf den Grundfehler türmen und wäre ein geradezu GROTESKES MONUMENT DER FEHLER.

Es ist allerhöchste Zeit, sich endlich von der  HISTORISCHEN TRASSENFÜHRUNG zu lösen und  ERNSTHAFT ALTERNATIVEN ZU PRÜFEN!

Die Bürgerinitiative „KEINE AUTOBAHN ÜBER BERGSHAUSEN!“ will:

Durch BESSERE TRASSENFÜHRUNG  die Lärm- und Schadstoffemissionen des Verkehrs deutlich VERMINDERN.

Den RESTLÄRM durch Schallverhinderungs- und Schallabsorptionsmaßnahmen NEUTRALISIEREN.

Die Autobahn dorthin legen, wo sie Mensch und Natur AM WENIGSTEN STÖRT.

Ein Mitglied der Bürgerinitiative hat entsprechende Varianten der Streckenführung vorgestellt. Es mag Varianten geben, die besser geeignet sind, die eben genannten Kriterien umzusetzen. Aber diese müssen dann auch auf den Tisch gelegt werden. Mit dem vagen Hinweis auf solche möglicherweise existierenden „besseren“ Varianten kann man sich nicht der ernsthaften Prüfung der bisher vorgelegten Varianten entziehen. Der Gemeinde Fuldabrück und „Hessen Mobil“ sind zwei Varianten übermittelt worden. Sie sind ausführlich bei <fulda-bruecke.de> unter den Bezeichnungen „GRÜNE Variante“ und „BLAUE Verbindung der A49 mit der A7“ dargestellt. In der Berichterstattung der lokalen Zeitung werden sie als Varianten 4 und 5 bezeichnet (z.B. HNA vom 17.4.2012), ebenso in der beigefügten Kartenskizze (siehe Anlage). Hier werden sie nur kurz charakterisiert.

Die Variante 4 verläuft innerhalb der Grenzen der Gemeinde Fuldabrück und hält gleichen Abstand zu Bergshausen und Dennhausen. Da aber Dennhausen niedriger liegt als Bergshausen, dürfte die Belastung dort wesentlich geringer sein als in Bergshausen 9). Diese Variante vermeidet zumindest für den West /Süd-Verkehr die verkehrstechnisch unnötige Überwindung des Söhrbergs, sie reduziert damit die zu bewältigende Steigung deutlich, und sie vermindert die zu fahrenden Autobahnkilometer. Sie senkt so die Lärm- und Schadstoffemissionen des Verkehrs, und sie legt die Trasse dorthin, wo Menschen weniger betroffen werden als gegenwärtig. Allerdings führt sie, wie die Varianten 1, 2 und 3, durch ein FFH-Gebiet.

Die Variante 5 führt von der A7 zur A49 bei der Anschlussstelle Baunatal Mitte (und dann weiter  einige Kilometer auf der A49 bis zum AB Kreuz Kassel-West und dort auf die A44). Sie führt damit direkt zum VW-Werk und zum zentralen Ersatzteillager (OTC) von VW und damit direkt zum mit weitem Abstand wichtigsten Verkehrsziel in Nordhessen. Diese Variante vermeidet nicht nur den Söhrberg, sondern auch andere unnötige Steigungen (um ca. 155 Höhenmeter) auf dem bisherigen Weg von der A7 zum VW-Werk (und zur A44). Sie verkürzt (um ca. 8,5 km) die zu fahrende Strecke ganz erheblich. Sie weist von der A7 bis zur A49 nur eine minimale Steigung auf. Sie reduziert damit die verkehrsbedingten Lärm- und Schadstoffemissionen besonders drastisch. Sie hält sich fern von Wohngebieten. Lärmschutzbauten sind leicht anzubringen. Sie nimmt den „Schleichverkehr“ von der A7 zum VW-Werk und den  in der Nähe  liegenden Einkaufzentren aus den Dörfern zwischen der A7 und der A49 und erhöht so die Sicherheit für die dort lebenden Menschen. Sie liegt außerhalb der 2008 vom Land Hessen geplanten „Großen Umweltzone“ für das Kasseler Becken und trägt so dazu bei,  die dort gegebene sehr schlechte Luftqualität zu verbessern. Sie führt nicht durch ein FFH-Gebiet. Der West/Nord-Verkehr würde, wie bei der Variante 4, über die „Südtangente“ (A49 südlich von Kassel) laufen, was er ohnehin tut.

 Die Variante 5 entspricht in vorbildlicher Weise dem, was das Bundesverkehrsministerium in seinem „Aktionsplan Güterverkehr und Logistik“ fordert:

 „GÜTER UND WAREN SOLLEN SCHNELL, KOSTENSPAREND, SAUBER UND LEISE AN IHREN BESTIMMUNGSORT GELANGEN“

Günter Hesse

Pressemitteilung: AfD-Antrag angenommen!

Der Gemeindevertreter der AfD Fuldabrück, Prof. Dr. Günter Hesse, hat in der Gemeindevertetersitzung vom 30.03.17 den Antrag eingebracht, die Gemeindevertretung möge den Gemeindevorstand beauftragen, Hessen Mobil anzuschreiben und aufzufordern, Maßnahmen zu einer aktiven Lärmsanierung im Lärmkonfliktpunkt A44-Bergshausen zu prüfen.

„Der Lärmkonfliktpunkt Bergshausen hat mit weitem Abstand die höchste Lärmkennziffer (469) im ganzen Landkreis – nachdem für Lohfelden Lärmschutzwände gebaut wurden. Bis zu 439 Personen sind gesundheitsgefährdendem Lärm durch den Verkehr auf der A44 ausgesetzt. An der A44 und A49 in der Region Kassel gibt es keine vergleichbaren Belastungen für die Bevölkerung. Dieser Zustand ist unzumutbar und nicht länger hinzunehmen,“ so Prof. Hesse in seiner Begründung.

Hessen Mobil hatte Lärmsanierungsmaßnahmen ursprünglich abgelehnt u.a.mit dem Argument, dass ohnehin „in absehbarer Zeit“ im Rahmen des Ersatzneubaus der Bergshäuser Brücke Lärmvorsorgemaßnahmen eingebaut würden. Dieses Argument sei hinfällig seitdem bekannt wurde, dass die Brücke frühestens in 15 Jahren abgerissen werden soll. „Es geht um die Lebensqualität, die Gesundheit und die Vermeidung möglicher vorzeitiger Todesfälle von ca. 440 Menschen im gravierendsten Lärmkonfliktpunkt des ganzen Landkreises,“ appelliert Prof. Hesse an die verantwortlichen Entscheider.

Der Antrag von Prof. Hesse in der Gemeindevertretersitzung wurde nahezu einstimmig (eine Stimmenthaltung) angenommen.

Fuldabrück, im März 2017

 

Antrag: Nächtliche Sperrung der Bergshäuser Brücke für Schwerverkehr

Beschlussvorschlag: Die Gemeindevertretung beauftragt den Gemeindevorstand, Hessen Mobil zu bitten, zu prüfen, ob durch eine nächtliche (22:00 Uhr bis 6:00 Uhr) Sperrung der A 44 zwischen dem BAB Kreuz Kassel-West und dem BAB Dreieck Kassel-Süd für LKW mit mehr als 7,5 Tonnen und weniger als 44 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und deren Umleitung über die A 49 („Südtangente“) sowohl der Verkehrsfluss auf der A 44 verbessert, als auch die Lärm- und Abgasbelastung für die A 44-Anlieger in Bergshausen vermindert werden können.

Begründung: Einem im Transportsektor tätigen Bürger von Bergshausen ist aufgefallen, dass die A 49 zwischen dem BAB Kreuz Kassel-West und dem BAB Kreuz Kassel-Mitte („Südtangente“) nachts kaum befahren wird. Auf der anderen Seite gibt es auf der A 44 auch nachts Verkehrsbehinderungen durch lange Aufstauungen des Verkehrs zwischen dem Dreieck Kassel-Süd und dem Kreuz Kassel-West. Teilweise reichen diese von der Bergshäuser Brücke bis zum Westkreuz Kassel.

Könnte man nicht auf der A 44 durch Umleitung eines Teils des Verkehrs über die nachts kaum befahrene Südtangente (A 49) für Entlastung sorgen? Und könnte man nicht den Teil des Verkehrs umleiten, der für die A 44-Anlieger in Bergshausen die stärkste Lärmbelastung mit sich bringt?

Bekanntlich erzeugen besonders die schweren LKW beim Überfahren der Verbindungsplatten zwischen dem aus Stahl bestehenden Brückenkörper und den aus Beton bestehenden Widerlagern sehr laute, sehr tiefe schlagartige Lärmemissionen („Wummern“). Dieses nachts besonders stark störende Wummern könnte durch die Umleitung der schweren LKW über die „Südtangente“ vermieden werden.

Auf der „Südtangente“ gibt es eine problematische Brücke, die bis zu ihrer voraussichtlichen Sanierung Ende 2018 für LKW mit mehr als 44 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gesperrt ist. Deshalb müsste die nächtliche Sperrung der „Bergshäuser Brücke“ auf LKW zwischen 7,5 Tonnen und 44 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht begrenzt werden. LKW mit mehr als 44 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht dürften bis Ende 2018 über die „Bergshäuser Brücke“ fahren.

Eine Umleitung von A 44-Verkehr über die A 49 („Südtangente“) ist bereits im November 2015 bei Hessen Mobil beantragt worden. Hessen Mobil hat das damals abgelehnt, weil die „Leichtigkeit“ des Fernverkehrs dadurch beeinträchtigt würde, weil die Südtangente in „Spitzenzeiten bereits hoch belastet“ sei und weil die direkt an die A 49 angrenzenden Stadtteile von Kassel „näher zur Autobahn liegen“, „so dass diese durch den umzulenkenden Verkehr- und gegen das Gleichbehandlungsprinzip- in noch höherem Maße lärmbelästigt würden“. (Lärmaktionsplan des Regierungspräsidiums 2016, S. 188/189).

Letzteres wird durch die Angaben im Lärmaktionsplan nicht bestätigt. Dort steht auf Seite 289, dass in den von den Autobahnen ausgehenden Lärmkonflikten der Stadt Kassel die Lärmkennziffern „kleiner als 100“ sind. In Bergshausen beträgt die Lärmkennziffer 469! (Lärmaktionsplan S. 186).

Durch die beantragte Begrenzung der Umleitung des Schwerverkehrs auf die Nachtstunden wird die A 49 in den Spitzenzeiten nicht zusätzlich belastet. Die „Leichtigkeit des Fernverkehrs“ wird durch die für die nächsten 15 Jahre angekündigte Verringerung der Zahl der Fahrstreifen auf der „A 44-Bergshäuser Brücke“ von 4 auf 3 vermindert und durch die nächtliche Nutzung der dann „leeren“ A 49-Südtangente verbessert.

Die bisher gegen eine partielle Verkehrsumlenkung von der A 44 auf die A 49 von Hessen Mobil vorgebrachten Argumente treffen die im Beschlussvorschlag beschriebene nächtliche Umlenkung des Schwerverkehrs nicht.

Prof. Dr. Günter Hesse